Religöses Leben am Finsterwalder-Gymnasium

 

Ein Wesensmerkmal des Menschen ist es, über sich selbst, über Welt und Zeit hinaus zu denken. Jedem stellen sich Fragen nach Sinn und Grenzen menschlicher Existenz, nach dem Woher und Wohin, nicht zuletzt nach Gott. Der Religionsunterricht ist der Ort, an dem man sich diese Fragen stellt, die Gesprächsrunde zu eigener Überlegung ermutigt und bei der Beantwortung der Fragen der christlichen Tradition und Sinndeutung Raum gibt. So sollen unsere Schülerinnen und Schüler mit Religion und Religiosität positiv umgehen, Religion als tragfähigen Faktor im Leben des Einzelnen erkennen können und Religionen als bedeutsam und prägend für eine Gesellschaft wahrnehmen. Konfessionell kompetenzorientiert zu sein, immer aber auch offen für interreligiösen und ökumenischen Dialog in entsprechender Kooperation zu agieren, war im Schuljahr 2008/2009 das Anliegen der Fachschaft Religion. Wissen um unsere christlich geprägte Kultur weiter zu geben, mit der biblischen Tradition vertraut zu machen, war permanentes Bestreben. So besuchten einige 11. Klassen unter der Leitung der Religionslehrer Frainzl und Kröpfl an verschiedenen Terminen die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus. Ziel war es, die Geschichte des Kirchenbaues nachzuvollziehen, die Anordnung der liturgischen Orte in der Praxis zu vergegenwärtigen und das „gottesdienstliche Equipment“ wie die liturgische Kleidung des Priesters, Kelch und Ziborium, liturgische Bücher einmal aus nächster Nähe betrachten zu können. Pfarrer Zach stellte Stadt und Kirchengeschichte in Zusammenhang und erschloss anschließend die Theologie der Stadtpfarrkirche unter dem Aspekt der Altarraumneugestaltung und stellte sich anschließend einer Fragerunde. Ein Sakristeibesuch, in dem diverse liturgische Gewänder und die Symbolik der Farben vom Pfarrheim erklärt wurden, rundeten den Besuch ab.

 

 

Des weiteren organisierten die Religionslehrer Herr Kröpfl, Herr Frainzl, Frau Schnäbele-Wiens und Ethiklehrer Dr. Eder mit allen 9. Klassen eine Fahrt zur Synagoge in Augsburg, die Bestandteil des jüdischen Kulturmuseums ist und der jüdischen Gemeinde an hohen Festtagen als Gottesdienstraum dient. Die Voraussetzung für die Versöhnung und ein friedvolles Zusammenleben zwischen Juden und Nichtjuden ist das Wissen um den großen Anteil des Judentums an der deutschen Kultur, sind aber auch Kenntnisse von jüdischem Denken und Brauchtum, von Kult und Ritualen. Beeindruckt waren die Besucher von der wohl bedeutendsten Jugendstil-Synagoge Europas. Das Innere der Synagoge stellt ein von einer mächtigen Kuppel überwölbtes Quadrat dar. Die 29 Meter hohe Kuppel liegt auf breiten Tonnenbögen auf. Nicht fremd waren den Schülerinnen und Schülern zahlreiche Symbole und Zeichen, die ihren Ursprung ja in der Bibel haben (z.B. Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten!). In Augenschein genommen wurde an der Ostwand, ausgerichtet nach Jerusalem, das Herzstück des Gotteshauses, der Toraschrein, in dem die Tora oder Gesetzesrollen, die Hl. Schriften aufbewahrt werden. Klar wurde den Besuchern, dass in der Synagoge („Schul“) eine Verbindung von Gottesdienst und Lernen erfolgt. Heißt es doch im Talmud in den Sprüchen der Väter (2,6): „Ein roher Mensch kann nicht sündenscheu sein, und ein Unwissender kann nicht fromm sein, (...).“

 

Einer der Höhepunkte religiösen Lebens ist die Fahrt nach Taizé in Burgund / Frankreich im Juli 2009, an der unter der Leitung von Religionslehrerin Dorothea Ewe diesmal 38 Jugendliche teilnehmen. Sie alle werden dort in der Communauté der Brüder ein herausragendes Beispiel christlicher Ökumene erleben und können bei gutem Willen erfahren, wie das Christentum auf diese Weise durchaus Frieden und Liebe in der ganzen Welt vermehren kann.

 

Unsere Schüler werden in Taizé mit Fragen der Ökumene vertraut gemacht, in ihrer religiösen Kompetenz gestärkt und zum interkulturellen Dialog an einem außerschulischen Lernort angehalten. Dem interkulturellen Dialog dient auch die Begegnung mit den Muslimen. Konstatiert nicht das 11. Vatikanische Konzil: „Mit Hochachtung betrachtet die Muslime“, auch fordert die Charta Oecumenica: „Wir verpflichten uns, den Muslimen mit Wertschätzung zu begegnen.“ So kommt der Islam nachhaltig zur Sprache, der Besuch der Moschee ist vorgesehen. Immer wieder bringt sich auch unser Kollegiat Bünyamin Ercan ein, um als Moslem in sehr würdiger Darbietung seinen Glauben den christlichen Schülern überzeugend zu präsentieren. Die 6. Klassen gingen Kreuzwegstationen zur Fastenzeit im Schüler- und Studentenzentrum Rosenheim mit. „Kreuz und Christus“, „Kreuz tragen“, „im Kreuz ist Heil“ lauteten die Schwerpunkte, die den Besuchern verdeutlichten, dass die Passion Christi keine Geschichte der Vergangenheit ist. Mit jeder Karwoche und jedem Osterfest stirbt Christus für uns und aufersteht aufs Neue, wird so das Licht der Welt, das uns aus dem Dunkel befreit.

 

Auch im Bereich der Schule waren Besinnung und Gebet ein Anliegen. Im „Raum der Stille“ fanden adventliche Morgenandachten statt. Auch weilten Schülergruppen zur Besinnung am ruhigen Ort. Vier Mal im Jahr, zu Schuljahresbeginn, zu Weihnachten, zu Ostern und zum Schuljahresschluss feiert die Schulfamilie Gottesdienste, die vom Gottesdienstchor (unter der Leitung von unserer Religionslehrerin Dorothea Ewe und Kantor Bernhard Krikkay) und vom Gottesdienstteam (betreut von Herrn Kassler) mit sehr viel Eigeninitiative gestaltet werden. Zusätzlich bringen sich Pastoralreferent Hans-Jürgen Veeh vom Schüler- und Studentenzentrum und das evangelische Pfarrersehepaar Rother mit viel Engagement ein. Allen ein herzliches Vergelt‘s Gott, nicht zuletzt den mitgestaltenden Kollegen und Kolleginnen.

 

Das Finsterwalder-Gymnasium unterstützt seit einigen Jahren in Indien die Jugendarbeit von Bischof Moses. Vor Weihnachten lief dieses Jahr unsre 1-Euro-Aktion. Zusammen mit einer zusätzlichen Spende aus dem letztjährigen Schulkonzert flossen stolze 1080,- Euro dem Projekt des Bischofs zu. Bis jetzt ein schönes Jahr. Dank allen Beteiligten!

 

StD Thomas Kurz

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