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Vortrag von Prof. Dr. Hanns Ruder, Universität Tübingen
Etwa eineinhalb Stunden lang lauschten ca. 120 Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, Kollegen und Eltern des Finsterwalder-Gymnasiums aufmerksam den Ausführungen von Prof. Hanns Ruder (Universität Tübingen), der mit Humor und Phantasie die Grundzüge der Relativitätstheorie darstellte, die „eigentlich gar nicht schwer“ ist.
Nicht die Erklärung der Mathematik der Relativitätstheorie war sein Hauptthema. Vielmehr zeigte Prof. Ruder, wie sich die Welt um uns herum verändert, wenn wir uns nicht im Schneckentempo von „nur“ 250 Kilometer pro Stunde (mit dem Auto auf der Autobahn), sondern mit annähernd Lichtgeschwindigkeit, z.B. 300000 Kilometer in einer Sekunde, fortbewegen. „Die Umgebung beginnt sich zu krümmen, zu drehen, aufzuhellen und farblich zu verändern. Alles kein Problem, solange die Geschwindigkeit „klein“ bleibt – etwa 30000 Kilometer pro Sekunde“, so der Physiker. Verwirrend und unübersichtlich wird es erst ab etwa 80% der Lichtgeschwindigkeit, d.h. ab 240000 Kilometer pro Sekunde. „Da muss man halt etwas Üben“ im Navigieren mit dem relativistischen Auto durch Tübingen oder unter dem Eiffelturm hindurch, den man selbst dann noch vor sich sieht, wenn er hinter einem liegt – „alles eine Sache der Relativität“. Nicht komplizierte Theorien, sondern lediglich die unterschiedliche Laufzeit für das Licht führen dazu, dass eine Stange die auf einen zukommt gekrümmt aussieht. Gewöhnungsbedürftig ist es jedoch trotzdem, wenn sich ein drehendes Rad mit relativistisch verbogenen Speichen beim Lenken auch noch zu falten beginnt.

Im zweiten Teil seines lebhaften Vortrags ging Professor Ruder zusätzlich auf die allgemeine Relativitätstheorie ein. Auch wenn die Zuhörer hier anfangs kurz mit der mathematisch sehr komplizierten grundlegenden Formel der allgemeinen Relativitätstheorie – zum Anschauen – konfrontiert wurden, fieberte die Zuhörerschaft jeder neuen Simulation entgegen, die Prof. Ruder in großer Zahl und unglaublicher Qualität vorführte. So kann man z. B. die gesamte Oberfläche der Erde, nicht nur die dem Beobachter zugewandte Seite, auf einmal betrachten, wenn die Masse der Erde etwa mehrere 1000 Sonnenmassen betrüge. Bei noch höheren Massen werden Objekte, die sich hinter einem schwarzen Loch befinden, zu einem sogenannten „Einstein-Ring“ verzerrt.
Die sofortige Beantwortung der Fragen der Zuhörerschaft, die in der gesamten Zeit herrschende faszinierte Ruhe im Saal und der sehr lang anhaltende Applaus am Ende des Vortrags bestätigten, wie gefesselt und begeistert das Publikum den Vortrag verfolgt haben. Prof. Ruder verstand es die Eigenheiten und Seltsamkeiten der Relativitätstheorie durch den gleitenden Übergang von unserer „normalen“ Welt zur „relativistischen“ Welt verständlich zu machen. Nur die Stärke der Raumkrümmung ändert sich, nicht aber das Wesen unserer Welt an sich: Jeder erlebt tagtäglich „Relativität“ – nur haben wir gelernt, damit umzugehen – es ist „normal“. Die Verstärkung der Effekte mit zunehmender Geschwindigkeit und bei großen Massen ist es, die den Einfluss der Relativität für uns unglaublich, verwirrend, phantastisch macht.
(Dipl.-Phys. Ruprecht Steinhübl, StR)
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